Speicherstadt

Was wäre Hamburg ohne seine historische Speicherstadt? Die einstigen Lagerstädten von Stückgut und insbesondere Kaffee, Tee und Gewürze wurden zusammen mit dem Chilehaus am 5. Juli 2015 in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Speicherstadt ist nun Ziel zahlreicher Besucherinnen und Besucher, die ihre Sehenswürdigkeiten zu Fuß oder mit einer Barkasse von der Wasserseite erkunden – sofern es die Gezeiten zulassen.

Die Geschichte der Speicherstadt – von damals bis heute

In der Hamburger Speicherstadt waren früher sogenannte Quartiersleute für die Einlagerung und zum Teil auch für die Verarbeitung importierter Güter zuständig. Diese Fachkräfte hatten sich oft auf spezifische Produkte spezialisiert und besaßen umfangreiches Fachwissen.

Insbesondere bei der Verarbeitung von Tee und Kaffee spielten sie eine wichtige Rolle. Sie probierten die verschiedenen Sorten und kreierten eigene Mischungen. Auch heutzutage zählen die Qualitätskontrolle und das Versenden von Mustern zu den Kernkompetenzen in diesem Bereich. Durch Modernisierungsprozesse im globalen Handel sind viele Unternehmen allerdings näher an die Containerhäfen gezogen.

Zum (ehemals zollfreien) Handel und der Kaffeebörse:

Die Kaffeebörse wurde 1887 in der Speicherstadt eröffnet und erlebte rasch einen regen Handel, insbesondere mit Kaffee aus Brasilien und Zentralamerika, wobei in den ersten 18 Monaten etwa 24 Millionen Jutesäcke gehandelt wurden.

Die Speicherstadt gehörte früher dem Freihhafen an und war ein abgegrenzter Bereich im Hamburger Hafen, in dem für importierte Waren keine Zölle und Einfuhrumsatzsteuern erhoben wurden. Dies bedeutete, dass die Waren dort zollfrei gelagert, verarbeitet und umgeschlagen werden konnten, bevor sie in den zollpflichtigen Bereich des Landes eingeführt wurden.

Seit dem 1. Januar 2003 wurde ein Teil des Gebietes aus dem Freihafen herausgenommen, im Jahr 2004 folgte dann der Rest der Speicherstadt. Zollrechtlich zählt das Gebiet somit zum Inland. Die Zollgrenze des Freihafens wurde schließlich 2013 vollständig abgeschafft.

Aktuelle Herausforderungen und Nutzung:

Aufgrund ihrer Lage kann die Speicherstadt bei Sturmfluten Überschwemmungen ausgesetzt sein, was die Lagerung im Erdgeschoss erschwert und die Räumlichkeiten hauptsächlich für die Versandvorbereitung nutzbar macht.

Heutzutage dient die Speicherstadt, mit ihren rund 630.000 Quadratmetern, verschiedenen Zwecken. Sie beherbergt neben Teppichhändlern und Werbeagenturen auch mehrere Museen wie das Speicherstadtmuseum, das Zollmuseum und das Gewürzmuseum.

Attraktionen wie das Miniatur Wunderland, das weltweit größte Modellbahnmuseum, und das Hamburg Dungeon bereichern das Viertel. Die Zeitschrift Mare hat ihren Sitz am Sandtorquaihof, und seit 2006 befindet sich die Hamburg Port Authority am Neuen Wandrahm.

Somit hat sich die Speicherstadt von einem reinen Lagerhauskomplex zu einem vielseitigen Stadtteil entwickelt, der Handel, Kultur und Tourismus vereint.

Die Lage der Speicherstadt

Im nordöstlichen Hamburger Hafen, auf einer Fläche von rund 26 Hektar, erstreckt sich die Speicherstadt. Die ehemaligen Elbinseln Kehrwieder und Wandrahm bilden den Grundstein für dieses beeindruckende Ensemble mit ihren historischen Lagerhausbauten. Mit einer Länge von etwa 1,5 Kilometern und einer Breite von 150 bis 250 Metern zieht sich die Speicherstadt von der Kehrwiederspitze und dem Sandtorhöft im Westen bis zum ehemaligen Teerhof bei der Oberbaumbrücke im Osten.

Durchzogen von zahlreichen Fleeten (Kehrwiederfleet, Brooksfleet, St. Annenfleet, Holländischbrookfleet, Kleines Fleet und Wandsrahmsfleet) und Kanälen, die einst dem Transport von Waren dienten, bietet die Speicherstadt ein einzigartiges maritimes Flair. Diese Wasserstraßen, gesäumt von historischen Backsteingebäuden, prägen das Bild dieses besonderen Viertels.

Der architektonische Charme

Abgesehen von der unverwechselbaren Fassade der Gebäude der Speicherstadt, liegen viele fundamentalere Fakten unsichtbar unter Wasser. Das komplette Areal wurde auf sogenannten Pfahlgründungen errichtet, welche mit 12 m langen Baumstämmen im schlammigen Elbboden befestigt wurden.

Darauf errichtete man die Lagerhäuser, die zur einen Seite an ein Fleet grenzten und auf der anderen Seite einen Straßenzugang besaßen. 

Die Waren wurden auf bis zu fünf übereinander liegenden Böden (Stockwerken) gelagert, die jeweils über eine eigene Seilwinde am Hausgiebel zugänglich waren. Die Lagerhäuser waren in der Regel ungeheizt und hatten Holzfußböden. Dies führte zu relativ gleichmäßigen klimatischen Bedingungen, die ideal für die Lagerung der empfindlichen Güter waren, wie Kaffee, Tee und Gewürzen.

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